Rede 1: von Elkes Schwester, Karen Ihle-Sitz

29.10.2020

Lieber Jona, liebe Trauergäste

Heute ist für uns alle ein sehr trauriger Tag.

Die letzten Wochen und Tage haben wir gemeinsam mit dir, lieber Jona, schmerzhaft durchlitten und immer wieder gehofft, dass unser liebe Elke den Kampf gegen ihre Krankheit gewinnen wird. Wir fühlen von ganzem Herzen mit dir, lieber Jona, den wichtigsten und liebsten Menschen im Leben verloren zu haben.

Du hast mich gebeten, hier an dieser Stelle ein bisschen über Elkes Leben zu erzählen:

Elke war meine kleine Schwester, auch wenn sie mir später etliche Zentimeter an Körpergröße überlegen war. Am 25. April 1964 wurde sie in Naumburg an der Saale als zweite Tochter eines Konstrukteurs für Werkzeugmaschinen und einer Sachbearbeiterin geboren. Zu dieser Zeit waren die schlimmen Kriegsfolgen weitestgehend überwunden, so dass die kleine Elke in unserer Familie eine sorglose und gut behütete Kindheit erleben durfte, wobei die 10 Jahre Altersunterschied zur großen Schwester im Alltag manchmal schon Schwierigkeiten mit sich brachten.

Sie war ein lebhaftes und aufgewecktes Kind. Mir ist eine Tanzmaus in Erinnerung, die sie in einer Tombola gewonnen hatte und dann in einer dreckigen Papiertüte mit nach Hause brachte. In der Schule gab es kaum Probleme. Der Abschluss der 10. Klasse in der damaligen Polytechnischen Oberschule der DDR ist ihr leicht gefallen. Aufgrund negativer Erfahrungen mit dem Bildungsweg der älteren Schwester im politischen System der ehemaligen DDR entschied sich Elke gegen das Abitur und absolvierte ein Fachschulstudium für Betriebswirtschaft. Dieses Studium hat sie erfolgreich als Ingenieur abgeschlossen und fand umgehend ihre erste Arbeitsstelle in der Schuhfabrik Weissenfels.

Während dieser Zeit fand sie auch ihre erste große Liebe und heiratete sehr jung. Beide Partner mussten sich auf ihre Ausbildung konzentrieren, eine gemeinsame Wohnung gab es nicht und unterschiedliche Bedürfnisse überschatteten die wenigen gemeinsamen Glücksmomente. Die erste Ehe wurde nach kurzer Zeit wieder geschieden, was in der damaligen DDR auch keine Ausnahme war.

Elke arbeitete damals in der mittleren Verwaltungsebene der Schuhfabrik und stand oft zwischen den Fronten, zwischen Plan und Wirklichkeit, zwischen real existierendem Sozialismus und dem Umgang mit vietnamesischen Vertragsarbeitern. Die Probleme eskalierten immer mehr, bis das System im Herbst 1989 kollabierte.

Von der Treuhand beauftragt, erschien auch im VEB Schuhfabrik die vermeintliche Rettung aus dem Westen. Mehrere Unternehmensberater gaben sich die Klinke in die Hand, manche blieben und einer der älteren Herren machte wohl besonders viel Eindruck auf Elke. Sie wurde ihm an die Seite gestellt und wich dann lange nicht von seiner Seite.

Aus der anfangs rein beruflichen Beziehung entwickelte sich etwas Privates, sie war wieder verliebt und er fühlte sich mit einer wesentlich jüngeren Partnerin auch recht wohl. Die VEB Schuhfabrik konnten die beiden leider nicht retten, aber für westdeutsche Berater gab es in den 90ern im Osten viel zu tun. Das hatte eine gemeinsame Wanderschaft zur Folge mit verschiedenen Tätigkeiten und mehrfachem Wohnungswechsel. In dieser Zeit schien Elke ein bisschen Selbstreflexion verloren zu haben und hat sich manchmal fremdsteuern lassen. Darunter hat auch unsere schwesterliche Verbindung gelitten.

Mit einer gehörigen Portion Mut und Selbstvertrauen schaffte sie die Trennung von ihrem zweiten Ehemann und steuerte mit viel Fleiß und Energie eine berufliche Selbständigkeit an. Ihre Abfindung und andere finanzielle Rücklagen steckte sie im Jahr 2010 in die Gründung eines Franchise Unternehmens zur Beseitigung von Wasser- und Brandschäden. Das bedeutete ständige Fort- und Weiterbildung, ergänzende Spezialkurse bei vollem unternehmerischem Risiko. Elke verblieb sieben Jahre beim Franchisegeber, schloss sich dann einer neuen Gemeinschaft an und verselbständigte sich vollends unter eigenem Label im Jahr 2020, dem 10. Jahr des Bestehens des Unternehmens.

Mein ganz persönlicher Respekt gilt dieser Leistung, welche im Sommer diesen Jahres mit dem 10-jährigen Firmenjubiläum einen stolzen Höhepunkt erreicht hat und nicht zu vergessen auch Existenzgrundlage für mehrere Mitarbeitende mit ihren Familien bedeutet.

 Elke Lebensmittelpunkt war nun in Neu-Isenburg und zuletzt in Aschaffenburg. Schon immer hat sie sich gerne Märchenfilme angeschaut, inzwischen gab es im Internet ganz neuartige Video-Life-Programme. Als Single fand sie das wohl recht spannend und dank eines technischen Zufalls hatte sie im August 2011 plötzlich Verbindung zu einem Unbekannten. Die beiden sprachen über drei Stunden über dieses SKYPE miteinander und trafen sich einen später persönlich, da hatte sie mit diesem neuen Bekannten ihren Märchenprinzen gefunden. Jona hat ihr unwahrscheinlich gut getan.

Nach einer längeren Zeit des Sich-Kennenlernen und Aufeinanderzugehens seid ihr das Wagnis eingegangen, eine Wohngemeinschaft zu bilden. Diese wurde schnell zur Wohlfühlgemeinschaft, so dass ihr beide nach mehreren Jahren Probezeit am 13. September 2019 noch einmal JA zur Ehe gesagt habt. Eine wunderschöne Hochzeitsfeier ist uns in Erinnerung geblieben. Als ältere Schwester war ich glücklich, dass Elke endlich wieder einen Partner an ihrer Seite hatte. Sie musste nun Probleme nicht mehr alleine lösen, konnte ihre Sorgen und Glücksmomente teilen.

 

Lieber Jona

Du hast Frieden in unsere Familie gebracht und du bleibst ein fester Teil dieser Familie. Noch einmal meine tief empfundene Anteilnahme und alle guten Wünsche für dich.

Zuletzt möchte ich an unsere liebe Mutter denken. Sie hat mit 86 Jahren ihre jüngere Tochter verloren und ist in Naumburg an Vatis Grab mit uns hier in Gedanken verbunden.

 

Karen Ihle-Sitz, Elkes Schwester … und Schwager Günter

Rede 2: von Ehemann Jona

Liebe Freunde

Liebe Familie

Liebe Familie, welche in Naumburg auf dem Friedhof mit uns trauert

 

Ich muss gestehen, ich kenne sie immer noch nicht … 

Was ich festhalten kann ist, dass wir mit Elke eine unsagbar liebe Frau und achtsamen Menschen verloren haben. Ob sie NUR ZUM SCHLUSS einen einsamen Kampf kämpfte, um ihn zu verlieren, möchte ich an dieser Stelle offen lassen. 

Ohne jede Kenntnis versetze ich mich in die Lage, einen eigenen Geburtsstaat mit seinem System zu verlassen und es in dem "andere System des Westens" zu versuchen. Aber Elke tat das und war sofort erfolgreich. Sie managte bei Marktführer, leitete Standorte, Vertriebe, ja ganze Bauprojekte. Woran Sie verlor: an Männern. Irgendwann gab es keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr, der Großkonzern erwog nicht, ihr eine weitere Chance zu geben. 

In dieser Zeit baute sie aus eigener Kraft ein Haus, noch dazu auf französischem Boden. Sie heiratete ihren zweiten Mann, die Jugendehe der DDR ist ein zu schmales Kapitel. Von diesem zweiten Mann weiß ich wenig, doch was ich weiß ist so arg schlecht, dass ich es hier nicht nennen mag. Elke rettete sich aus der Lage mit dem Verkauf des Hauses, mit einem Koffer reiste sie nach Frankfurt, wo sie in Neu-Isenburg unterkam und sich neu orientierte. 

Wieder ein Neustart, wieder wo Wurzeln schlagen, wieder Bereitschaft, an sich und alle anderen zu glauben. 'Weil sie   als Frau so ein Unternehmen nicht führen könne' versagten die in Hessen ihr den Gründungskredit. Das sahen wenigstens die Bayern anders und gaben das Geld. Elke gründete als Franchisepartner. Doch auch hier: Männer versagten und Elke zahlte das Leid. Noch ein weiteres Mal in einem zweiten Marketingverbund: Männer dominierten, bis man nur noch abwinken mochte. 

In diesen Jahren war unsere private Partnerschaft angewachsen, leise aber stets sich vertiefend. Wir waren uns durch einen Zufall auf Skype begegnet, entdeckten, wer wir sind und sprachen schon beim ersten Mal drei Stunden lang miteinander. Zwei Tage später blieb ich bei ihr. 

Unsere Beziehung war durch einen Spirit verbunden. Niemand wird heute sagen können, was genau es ausmachte, dass wir so sehr zusammen hielten. Da war sehr viel Rücksicht und Behutsamkeit, Respekt und der stete Wunsch, dem anderen zu dienen, zu helfen, ihn zu verwöhnen. Elke wusste auch immer, was in der Welt "gut" war, vom Auto her bis zu den Hotels, dem Essen und den gekauften Gütern. Ihre Wahl der Möbel, des Geschirrs, alles ein Tacken besser. So lebte sie und nahm mich mit. Das Glück war uns mit der Hochzeit vergönnt und auch spät noch mit dem Urlaub in Ägypten. Das waren im Jahr 8 die wunderbaren Tage, getragen von lieben Menschen, allem Bunten, dem Wetter und der schönen Stimmung, die uns begleitete. 

- Das 10. Jubiläumsjahr hätte ihr Durchbruch werden sollen. EMAB als Logo, eigener Auftritt, frei von allen Verknüpfungen, schlich sich ein Husten ein, ein Ermüden, ein Nachlassen. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fiel ihr das Atmen schwer. Tage später kam der sprachlos machende Befund. Und heute stehen wir hier und trauern. Sie hatte auch hier gegen ein Männliches verloren, es ist 'der Krebs', nicht 'die Krebs'. 

Dein trauriger Jona, der immer nur stolz auf dich war ... 



Beitrag 2 von Jona zum Firmenjubiläum

Zum 10-jährigen Jubiläum des Unternehmens

Meine liebe Elke,

ich gratuliere Dir von Herzen zu Deinem 10-jährigen Bestehen. Hab nochmals Freude und Geduld für weitere 10 Jahre und bis ins Alter hinein.

Eine der größten unternehmerischen Leistungen ist die nicht wirklich beantwortbare Frage: Wem allem hast Du in dieser Zeit geholfen? Den Schadenbetroffenen natürlich. Doch es sind viele, viele mehr, die in die Gunst deines Schaffens kamen, Vertragspartner, Lieferanten, viele Mitarbeitende mit ihren Familien und Alltagsanliegen. Du hast die Region gestärkt, vom Finanzamt bis hin zu den Haushalten, Freunden und anderen Dienstleistern. Nicht zuletzt bist Du für zahlreiche Kollegen aus deinem Fach, also anderen Wasser- und Brandschadensanierern, stets ein offenes Ohr und ein mitdenkender Kopf gewesen. Du hast dich mehr als üblich in dieser Männerdomäne behauptet und eine Vielzahl von Figuren in diesem Markt wussten deine Bereitschaft, dein Denken und deinen brillanten Kopf wie deine mehr als herzliche Haltung zu wertschätzen. 

Dass wir von diesen 10 Jahren bereits sechs im Unternehmen gemeinsam bestanden haben, hätte ich nie gedacht. Am ersten Tag, an dem ich mit Dir von Neu-Isenburg aus nach Stockstadt losfuhr, dachte ich im Wagen: 'Das wird drei Monate dauern.' Jetzt feiern wir dieses Jahr Dein 10-jähriges Jubiläum, welches Du Dir reichlich verdient hast. Bleib uns weiter dieses sonnige Gemüt, diese ruhige Stimme und der herzliche doch fundierte Kopf - es scheint, wir sind alle gerne bei dir mit dabei, weil Du ein ganz besonders großes Herz hast, immer und immer wieder.

In Liebe und mit dem größten Respekt
Dein Mann



Beitrag 3 von Jona: Zum ersten Hochzeitstag, dem 13.09.2020

Meine liebe Elke verstarb einen Monat später. 

… unser Ding, für das es keine Worte gibt … 

Wir sollten getrost sein in unsere Fundamente, unsere Plus-Ultra-Qualitäten und nicht zuletzt in unsere Brillanz. Wir sind nicht zuletzt wegen Dir über uns hinausgewachsen, haben gelebt und geliebt und so manches vollbracht. Unseren Reichtum tragen wir in uns, im Gleichklang, in unseren Freiheiten und Eigenheiten. Was wir tun, fasziniert und inspiriert. Und wie man sehen kann, 1+1 ergab bei uns beiden immer 2,8 oder gar mehr. 

Dieses 'Darüber-hinaus' wird auch in die Zukunft getragen, in unser Schicksal und unseren Weg. Lass dich nie von meiner Sachlichkeit täuschen, von Arbeiten und Notwendigem, was sich vordrängelt. 

Traue weiter dem Traum, dem Lieblichen und der herzlichen Sanftheit ... und "unserem Ding", für das es keine Worte gibt

In Liebe
Dein Jona



Abschluss von Jona

Meine Liebste - Mein Elke

Du hast uns allen so viel von dir gegeben - und ich bin mir nicht sicher, ob wir dir gerecht werden konnten. Es sind in diesen Jahren nicht allein deine privaten Kontakte, die dich schaetzten. Es sind auch vormalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche sich für das Unternehmen einsetzten. Es sind Nachbarsleute aus den Straßen, aus dem Ort und der Region. Ganz besonders geliebt hat dich Phibi. 

Ob ich nach diesen Monaten noch etwas für dich tun kann? Du kennst mich, ich werde weiterleben.  Das hält mich nicht davon ab, Dich in mir an meiner Seite zu haben. Ich bin da, ich tue weiterhin mein Bestes. 

Finde nun Ruhe und Frieden an unserem täglichen Weg. 

In zärtlicher Liebe und Ewigkeit

Dein Jona